Das Erwachen der Buchenwälder

Nicht gewöhnlich! Buchen haben ihre Blätter entfaltet und den Wald in einen üppigen, zartgrünen Mantel gehüllt. Gefördert durch den Witterungsverlauf der letzten Tage hat sich in unseren Wäldern ein Naturschauspiel vollzogen, das uns selbst gewöhnlich erscheint, vielleicht, weil es sich jährlich wiederholt. Weltweit betrachtet ist es jedoch etwas ganz besonderes.

Die Knospen der Buchen (Fagus sylvatica) haben fast explosionsartig ihre zartgrünen Blätter entfaltet und damit in unseren sommergrünen Laubwäldern einen frischen Farbenrausch entfacht. Diese Erscheinung, so Forstamtsleiter Hans Peter Schimpgen, kann man derzeit in zahlreichen Wäldern im Landkreis Cochem-Zell am besten erleben. 

In Mitteleuropa und damit auch in Rheinland-Pfalz befinden wir uns mitten im ökologischen Verbreitungsoptimum der Baumart Buche. Anders als viele noch immer glauben, ist unser Bundesland nach den Ergebnissen der letzten Bundeswaldinventur (BWI³) mit einem Anteil von 61 % eine von Laubbäumen geprägte Großregion. In der Rangfolge der Einzelbaumarten liegt bei uns die Buche mit 22 % vor allen anderen auf Platz 1. Einer der Gründe, weshalb sie auch unter dem Beinamen "Mutter des Waldes" bekannt ist. Danach folgen gleichauf die Eiche und (noch) die Nadelbaumart Fichte mit jeweils 20 % vor den sonstigen Laubbäumen (17 %). 

Aufgrund der weltweit herausragenden Bedeutung hat die UNESCO die "Alten Buchenwälder und Buchenurwälder der Karpaten und anderer Regionen Europas" vor genau zehn Jahren (Juni 2011) zum Weltnaturerbe erklärt. In Deutschland gehören die fünf repräsentativen Buchenwälder in den Nationalparks Jasmund, Müritz, Kellerwald-Edersee, Hainich und im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin in dieses Cluster. Natürliche Tiefland-Buchenwälder sind heute auf Deutschland beschränkt und Buchenwälder nährstoffarmer Standorte haben in den deutschen Mittelgebirgen ihren weltweiten Verbreitungsschwerpunkt. Damit besteht hierzulande eine besondere Verantwortung für deren Erhalt. 

Gleichwohl ist selbst diese in unseren Breiten naturnäheste Waldgesellschaft durch die Klimakrise bedroht. Die extremen Hitzesommer und Dürren der letzten drei Jahre (2018 - 2020) ließen selbst alte Buchen absterben. Diese Beobachtung muss uns mit großer Sorge erfüllen. Sie ist ein deutliches Indiz dafür, dass wir beim Klimaschutz unverzüglich größtmögliche Anstrengungen unternehmen müssen, denn Klimaschutz bedeutet Waldschutz und damit letztendlich Schutz unserer natürlichen Lebensgrundlagen. 

Foto: Frühlings-Buchenwald (Quelle: Landesforsten.RLP.de/Ingrid Lamour) 

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